In einem älteren Blogbeitrag haben wir bereits über Social Entrepreneurship berichtet. Doch wie steht es eigentlich um Social Entrepreneurship bei uns in der Schweiz? Hier tut sich nämlich einiges! Aber was steckt dahinter? Ein kurzlebiger Trend oder eine tatsächlich nachhaltige Entwicklung?

 
  

Social Entrepreneurs verstehen sich als Repräsentanten einer neuen Art des Wirtschaftens, bei der neben finanziellem Gewinn auch ein gemeinnütziger (z.B. gesellschaftlicher oder ökologischer) Mehrwert geschaffen wird. Dabei setzen sie gezielt auf Innovationen und kreative Lösungen, um aktuelle Probleme angehen zu können. So versuchen wir bei Coffee Circle den Ungerechtigkeiten auf dem weltweiten Kaffeemarkt zu begegnen, in dem wir die Lebenssituation der Kaffeebauern in Äthiopien verbessern  und gleichzeitig auf nachhaltigen Anbau und klimafreundlichen Transport achten.
Auch wenn das Konzept “Social Entrepreneurship” kein Neues ist, kann dennoch vor allem in den vergangenen Jahren ein deutlicher Zuwachs an Gründungen in diesem
Feld verzeichnet werden. Social Entrepreneurship boomt.

Social Entrepreneurship und die Schweiz

In der Schweiz ist Social Entrepreneurship ebenfalls ein grosses Thema. In den letzten Jahren hat sich eine kleine aber feine Szene etabliert, die jedoch zumeist noch unter sich verweilt. Wir haben uns mal umgeschaut und stellen kurz und knapp die wichtigsten Akteure vor.

Wo sind Social Entrepreneurs anzutreffen?

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Vor allem für Unternehmen, die sich noch in der Gründungsphase befinden, bietet sich die Arbeit in einem Co-Working-Space an. Als Beispiel kann das Impact Hub Zürich genannt werden. Hier treffen Kreative und Visionäre aus aller Welt aufeinander, um an der Umsetzung ihrer Geschäftskonzepte zu tüfteln. In entspannter und inspirierender Atmosphäre kann man sich gegenseitig austauschen und netzwerken. Workshops und Veranstaltungen bieten darüber hinaus die Möglichkeit zur Weiterbildung. (Bildquelle)

Wer sind die Förderer und Geldgeber?

KaffeeernteBeratung und Förderung erhalten die kreativen Köpfe von diversen Institutionen. Die Social Entrepreneurship Initiative und Foundation (kurz: seif) unterstützt Social Entrepreneurs mit Workshopangeboten oder Mentoring-Partnerschaften und prämiert jährlich mit einem eigenen Award herausragende Geschäftskonzepte.

Was die Finanzierung von Social Businesses betrifft, gibt es einige interessante Social Impact Investoren. Die UBS bietet ihren Wealth-Management-Kunden mit den eigens hierfür geschaffenen Philantrophy Services Beratung und Fachwissen rund um das Thema nachhaltiges Anlegen. Ein weiteres Beispiel: die ResponsAbility AG mit Sitz in Zürich. Sie fördert Social Businesses - aktuell 400 Unternehmen verschiedenster Sektoren in rund 80 Ländern - mit einem stolzen Gesamtvolumen von derzeit 1,4 Milliarden (!) US-Dollar.

Wie wird Social Entrepreneurship gelehrt?

Auch an den Unis wird Social Entrepreneurship mehr und mehr zum Thema. In St. Gallen können Wirtschaftsstudenten entsprechende Kurse wählen und sich so spezialisieren. Interesse und Resonanz sind groß, vor allem weil die entsprechenden beruflichen Tätigkeitsfelder attraktiv sind. Dies bestätigt auch Désirée Anja Jäger, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Universität Zürich: «Immer mehr Menschen wollen ihre Arbeit mit einem Wert und einer positiven Wirkung verbinden». Die Entrepreneurship-Forscherin organisiert deshalb einen Social Entrepreneurship Day, der dieses Jahr zum zweiten Mal stattfindet.

«Wir brauchen neue, innovative Ideen, die gezielt zur Lösung der anstehenden Probleme beitragen. […]. Die nötigen kreativen Ideen entstehen oft nicht in den bestehenden grossen und bisweilen behäbigen Unternehmen, sondern in den Köpfen kreativer Menschen, die ein eigenes Startup gründen. […] Mit dem Social Entrepreneurship Day wollen wir solchen Initiativen mehr Sichtbarkeit verschaffen […].» (Désirée Anja Jäger; das vollständige Interview gibt es hier)

Kaffeekirschen


  


Nur ein Trend?

All diese Faktoren deuten darauf hin, dass Social Entrepreneurship mehr ist als nur ein kurzlebiger Trend. Die Anzahl an Ideen für kreative und innovative Social Businesses ist groß und die Schweiz bietet für deren Umsetzung einen optimalen Nährboden. Finanzielle und ideelle Förderungsmöglichkeiten unterstützen Social Entrepreneurs bei der Konzeption und Umsetzung ihrer Geschäftsmodelle. Das hört sich doch vielversprechend an!
Letzten Endes sind es aber natürlich die Kunden, die über Erfolg und Misserfolg der aufstrebenden Unternehmen entscheiden. Denn wo keine Nachfrage vorhanden ist, kann auch kein unternehmerischer Gewinn realisiert werden. Aber auch hier ist Aufatmen angesagt: In der Gesellschaft verändert sich etwas. Immer mehr Menschen achten darauf, wie und wo die Produkte, die sie konsumieren, produziert werden. Auch unsere Erfahrungen, z. B. auf dem Zürcher Slow Food Youth Eat-In, spiegeln genau das wider. Schlagworte wie Nachhaltigkeit, Transparenz und fairer Handel werden zu wichtigen Entscheidungsfaktoren der Kaufentscheidung. Hier nur von einem Trend zu sprechen, wäre schlichtweg zu kurz gegriffen - der Wandel hin zum bewussten Konsum übergreift Regionen, Altersklassen und Berufsgruppen.

PS: Beim Lesen des Beitrages ist Dir gerade eine Idee für ein innovatives Geschäftskonzept gekommen? Oder schwebt Dir etwa schon seit längerem die Gründung eines Unternehmens vor? In einer Videoreihe erklären die Gründer von Coffee Circle die einzelnen Schritte der Gründung eines Social Business.

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