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Die Kinder aus der Region Limu
#Projekte

Ein Tag in Zamanis Leben

Ein Beitrag von Anne Decker in der Kategorie #Projekte  vom 15. April 2015

Jedes Jahr besuchen wir unsere umgesetzten Projekte, um deren Weiterentwicklung zu verfolgen. Dabei traf ich Zamani und konnte sie einen Tag begleiten. Zamani ist 12 Jahre alt und Schülerin der 4. Klasse der Ilketunjo School, die wir schon 2011 mit Schulbüchern, Mobiliar und einem Sportplatz unterstützt haben.

Zamani begrüßt mich mit einem breiten Grinsen…

Sie kann sich an mich und meinen letzten Besuch noch verlegen erinnern – “passiert ja auch nicht so oft, das eine blonde Frau den langen Weg nach Ilketunjo kommt”. 2014 haben wir Zamani im Klassenzimmer der Ilketunjo School das letzte Mal getroffen . Ihr Vater ist Kaffeebauer und war bei der Gründung der Kooperative Ilketunjo dabei.

Sie hat nur einen Bruder (Maradou, 7), was bei den Großfamilien in Äthiopien eher ungewöhnlich ist. Deshalb muss sie ihre Eltern viel unterstützen. Der Tagesablauf dreht sich um Kaffee. Schon früh am Morgen steht Zamani auf und kocht mit ihrer Mutter Kaffee. In Äthiopien ist die Kaffeezeremonie ein Ritual, das mindestens dreimal am Tag mit der ganzen Familie praktiziert und von den Frauen vorbereitet wird. Die Familie verbringt dann mindestens 30 Minuten zusammen – “quality time”, wie wir so schön sagen würden. Zamani ist ihre Familie sehr wichtig – die meisten Äthiopier/innen wachsen in Großfamilien auf und fühlen sich in diesen sehr wohl. Jeder hat seine Rolle und Position.

Wir dürfen sie begleiten
Wir dürfen sie begleiten

“Das Wasser sieht immer so aus”

Nachdem Zamani mit ihrer Familie die Kaffeezeremonie abgeschlossen hat, geht sie mit ihrer Mutter erst Feuerholz und dann Wasser holen. Die Quelle ist nur 20 min entfernt, aber sehr verschmutzt und vor Krankheitserregern nicht geschützt. Als ich Zamani frage, ob sie das schlimm finde, schüttelt sie unverständlich mit dem Kopf und sagt “das Wasser sieht immer so aus”. Ich muss erschrocken feststellen, dass Zamani wahrscheinlich noch nie in ihrem Leben sauberes Trinkwasser gesehen oder getrunken hat und schreibe mir dick in den Kalender – “das müssen wir ändern!”. Die vergebliche Suche nach sauberem Trinkwasser macht mich wütend.

Zamani mag Hüpfen und Seilspringen

Nach dem Wasserholen geht Zamani zur Schule, manchmal im Vormittags- und manchmal im Nachmittagsblock. Sie mag den Englisch-Unterricht und fragt mich sofort “How are you?”. Die Kinder haben hier ab der zweiten Klasse Englisch Unterricht und lernen langsam und spielerisch neben ihrer regionalen Sprache Oromo und der landesweiten Amharisch, eine neue dritte Sprache.

Wenn Zamani nicht im Haushalt helfen muss oder mit ihrer Mutter den langen Weg nach Jimma läuft, um Besorgungen zu machen, spielt sie mit Freunden vor den Dorfhütten. Mohammad (9) und Hasibaa (10), die Du auf dem ersten Foto siehst, sind ihre besten Freunde und “zu dritt kann man einfach am Besten Seilspringen”, findet Zamani.

In der Schule
Ein Tag in Zamanis Leben
Die Toiletten

Die Schule ist das Schönste an Ilketunjo

Nicht nur Zamani sondern auch ihre Vertrauenslehrerin Zufan (29) findet, das die Ilketunjo School das Beste am Dorf ist. Ich bin das vierte Jahr hier und ebenso begeistert, was die Lehrer vorangetrieben haben. Die Kinder können seit dem letzten Schuljahr sogar bis zur 9. Klasse im Dorf unterrichtet werden und die Abbruchrate ist stark zurückgegangen. 95 % der Abschlussschüler besuchen sogar die weiterführende Schule in Seka. Ich freue mich zu sehen, dass die Eltern anscheinend verstanden haben, dass Bildung unglaublich wichtig für ihre Kinder ist.

Die Lehrerin zeigt mir jedoch, was noch das größte Problem des Dorfes ist – Latrinen und Hygiene. Während meiner Projektumsetzungen habe ich schon viele unterschiedliche Dörfer besucht und öffentliche Latrinen gesehen, was ich aber hier gezeigt bekomme, möchte ich nicht näher beschreiben. Du kannst auf dem Foto erahnen, wie der Zustand der Latrinen an der Schule ist. Der Latrinenbau war zwar eine sehr gute Maßnahme, verstehen die Menschen jedoch den Umgang mit diesen nicht, sind die Toiletten schnell verdreckt und unbenutzbar. Das hat leider zur Folge, das sich Krankheiten schneller verbreiten und die Mädchen während ihrer Menstruation Zuhause bleiben, was ich allzu gut nachvollziehen kann. Ich mache noch einmal ein Ausrufezeichen hinter meiner Notiz “das müssen wir ändern!”.

“Das sind die, die von meinem Papa Kaffee kaufen”

Am Schluss nimmt mich Zamani an die Hand und zieht mich in die Bibliothek – dort ist noch immer an der Tafel ein großes Coffee Circle Logo angemalt und ein paar Fotos der letzten Besuche hängen an der Wand. Zamani schaut meinen Übersetzer mit großen Augen an und sagt: “das sind die, die von meinem Papa Kaffee kaufen”. Dieser Moment bringt mir fast die Tränen in die Augen, weil es wieder einmal schön ist zu sehen, dass unser Projektansatz wirklich wirkt!

Zamani ist nur eines von tausenden Kindern der Region, aber ihr Leben beispielhaft für viele andere. Trotz der bewundernswerten Entwicklung der letzten Jahre gibt es für uns in den Kaffeeregionen noch viel zu tun und mir wurde mal wieder bewusst, wie wichtig eigentlich unser Wasserprojekt ist. Danke für den wunderbaren Nachmittag und deine Offenherzigkeit, Zamani!

Hier erfährst du mehr über unsere Arbeit in Äthiopien

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