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In der Kooperative

Kaffeeland Kenia – Unser Trip in den Ursprung

2017 bereichern wir unser Kaffeesortiment um ein weiteres Anbauland – Kenia. Kenianische Kaffees zählen nicht nur zu den besten Kaffees Afrikas, sondern auch zu den besten der Welt und wir freuen uns sehr, die aufregenden Geschmäcker und Geschichten zu den Kaffees mit dir zu teilen.

Im Februar war unser Röstmeister und Rohkaffeeeinkäufer Hannes vor Ort, um die Menschen hinter den Kaffees kennenzulernen, den Austausch mit den Kaffeefarmern zu suchen und natürlich auch, um eine Auswahl an Kaffees zu treffen. In diesem Artikel erzählt er mehr über das Kaffeeland Kenia.

Was macht kenianischen Kaffee aus?

Kaffee hat in Kenia im Gegensatz zu Äthiopien, dem Ursprungsland des Arabica Kaffees, keine lange Tradition. In Kenia wurde Kaffee erst zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts durch die britische Besetzung eingeführt. Demzufolge trinken die Kenianer allgemein nur sehr wenig Kaffee, sondern bevorzugen Tee. Selbst als wir die Kooperativen besuchten, wurde uns (bedauerlicherweise) eigentlich immer nur Tee und kein Kaffee angeboten. Das ist eher untypisch, da die Farmer in Äthiopien beispielsweise immer voller Stolz ihren eigenen Kaffee anbieten.

In Kenia

Jährlich produziert Kenia circa 800.000 Säcke an Rohkaffee

Angebaut wird der Kaffee in unterschiedlichen Regionen: Die primären Anbaugebiete liegen in dem zentralen Hochland, rund um den Mount Kenya und im westlichen Hochland um den Mount Elgon. In der Vergangenheit wurde auch im Umland von Nairobi, in Ruiru, viel Kaffee kultiviert. Hier ist die Produktion jedoch rückläufig, da die Grundstückspreise in den letzten Jahren enorm gestiegen sind und die Farmbesitzer seitdem häufig ihr Farmland veräußern müssen. Äthiopien produziert im Vergleich dazu etwa 6 Millionen Säcke.

Wir fokussieren uns in unserem Kaffeeangebot auf das zentrale Hochland, auf die Regionen Nyeri und Kirinyaga, da uns die Kaffeequalität hier am besten gefallen hat. Ein weiter Grund, der dafür sprach aus diesen Regionen Kaffee zu beziehen war für uns die Struktur der Regionen: Der Kaffee wird dort, wie in Äthiopien, hauptsächlich von Kleinbauern angebaut, die in Kooperativen organisiert sind. Auch in Kenia werden wir bevorzugt mit Kooperativen zusammenarbeiten, um die Arbeit der Kleinbauern zu unterstützen und dazu beitragen, dass sich ihre Lebensbedingungen durch hohe Kaffeeerlöse verbessern.

Die Kooperativen produzieren ausschließlich gewaschene (bzw. „washed“) Kaffees. Die Qualität wird häufig als eine der besten der Welt angesehen. Kenianische Kaffees zeichnen sich durch eine hohe Komplexität, markante und besonders fruchtige Geschmacksattribute, wie Johannisbeere, Brombeere, Rhabarber oder Hibiskus aus. Die Kaffees sind somit lebendig und haben einen vollen Körper.

Der Kaffeehandel in Kenia erfolgt zum Großteil über eine Auktion

Jedes Kaffeeanbauland hat beim Kaffeehandel seine eigene Funktionsweise. In Kenia wird 70-80% des gesamten Kaffees über die Kaffeebörse in Nairobi auktioniert. Die restlichen 20-30% werden außerhalb der Börse direkt von Produzenten an Importeure oder Röster verkauft. Jeder Produzent (z.B. die Kooperative) kann entscheiden, ob sie den Kaffee über die Börse oder direkt verkaufen möchten. Der Vorteil der Börse ist, dass dieses System sehr transparent ist. Die Farmer können beispielsweise der Auktion beiwohnen und alle Parteien haben vollständige Transparenz über die Preise. Die verschiedenen Exporteure können im Vorfeld der Auktion ein Sample der Kaffees erhalten und die Qualität bewerten und dann in der Auktion darauf bieten.

Wenn Kaffee außerhalb der Auktion verkauft wird, besteht auf der einen Seite zwar gegebenenfalls eine direktere Kaufbeziehung, aber andererseits herrscht weniger Transparenz und damit immer auch die Möglichkeit, dass die Kleinbauern nicht den besten Preis für ihren Kaffee erlangen. Aus diesem Grund haben wir uns dazu entschieden, unsere Kaffees im ersten Jahr, in dem wir Kaffees aus Kenia einkaufen, über die kenianische Börse einzukaufen. Damit stellen wir sicher, dass der Zahlungsfluss komplett transparent an die Farmer stattfindet und sie einen hohen und gesunden Preis für ihre Kaffees erhalten.

2016/2017 war die Produktion aufgrund der lang andauernden Trockenheit fast 20% geringer als durchschnittlich, was dazu führte, dass die Preise an der Börse in Nairobi ein Rekordniveau erreicht haben und im Durchschnitt um ca. 30% gestiegen sind. Für die Kleinbauern bedeutete dies, dass sie dieses Jahr überdurchschnittlich hohe Preise erzielen konnten.

Unterwegs in Kenia
Hier wird der Kaffee getraded
Genaue Einordnung
Rösten in kleinen Chargen
Geröstet
Bohnen im Vergleich
Qualitätseinordnung

Der Kaffeeanbau in Kenia wird zu etwa 60% von Kleinbauern abgedeckt

Es gibt circa 500.000 Kleinbauern in Kenia, die etwa 60% des gesamten Kaffees produzieren. In Nyeri und Kirinyaga wird der Kaffee auf circa 1.600 bis 1.850 Meter kultiviert. Beide Regionen liegen am Fuße des Mount Kenya, denn der Boden ist hier vulkanisch und dadurch sehr fruchtbar. Der hohe Phosphorgehalt in dem Boden ist ein wichtiger Faktor, weshalb diese Kaffees eine solch elegante Säurestruktur bilden. Die vorherrschenden Arabica-Pflanzen Varietäten sind SL 28 und SL 34. Seit ca. 20 Jahren wird zusätzlich eine neue Varietät namens Ruiru 11 kultiviert.

In Kenia sind die Kooperativen sehr groß, weshalb sich im Laufe der Zeit innerhalb einer Kooperative mehrere Washing Stations gebildet haben und die Strukturen etwas anders im Vergleich zu denen in Äthiopien sind. Die Kooperativen sind so strukturiert, dass die Kleinbauern einer Kooperative beitreten und dann frei wählen können, zu welcher Washing Station innerhalb dieser Kooperative sie ihre Kaffeekirschen während der Ernte bringen. Meistens haben die Kooperativen zwischen 3 und 6 Washing Stations oder “Factories”, wie sie in Kenia genannt werden.

Die Washing Stations achten sehr genau darauf, dass ausschließlich reife Kirschen angeliefert werden und lehnen die Kirschen unter Umständen auch ab, wenn sie nicht den richtigen Reifegrad haben. Aus diesem Grund pflücken alle Farmer ihre Kirschen von Hand, um sicherzustellen, dass sie nur die perfekt reifen Kirschen ernten. An der Washing Station werden die Kirschen dann weiterverarbeitet.

Erst werden die Kirschen entpulpt, das heißt die Haut der Kaffeekirsche wird entfernt. Anschließend gelangen die Kaffeebohnen samt Fruchtfleisch, dass den Bohnen noch anhaftet, in Wassertanks, wo sie für ca. 48-72 Stunden verbleiben. In dieser Zeit löst sich das Fruchtfleisch von den Bohnen, so können anschließend die „gewaschenen Bohnen“ auf erhöhten Anrichten, sog. „Drying Beds“, an der Luft trocknen. Nach ca. 12 Tagen sind die Bohnen trocken und haben nur noch die optimale Restfeucht. Der Rohkaffee wird nun in Jutesäcke gefüllt und für den Export vorbereitet.

Beim Pflücken von Hand
Bei der Einordnung
Das Umschichten der Säcke

Aus über 80 Kaffees haben wir 2 Sorten ausgewählt, die uns überzeugt haben

Wir bieten euch zwei Kaffees an, die ganz unterschiedliche Attribute für kenianische Kaffee aufweisen. Die beiden Kaffees heißen Rungeto Karimikui und Kabare Karani . Das erscheint euch vielleicht kompliziert und umständlich, doch die Namen werden genauso ausgesprochen, wie sie geschrieben werden. Der erste Name steht dabei jeweils für die Kooperative, der zweite Name steht für die Washing Stations. In Äthiopien haben die Kooperativen in der Regel nur eine Washing Station, daher entspricht dort der Name der Kooperative auch gleichzeitig dem Namen der Washing Station.

Rungeto Karimikui ist ein sehr lebendiger und fruchtiger Kaffee. Im Geschmack haben wir Aromen erkannt, die uns an roten Beeren, wie Johannisbeeren erinnern und dazu eine angenehm herbe Note von Rhabarber aufweisen. Insgesamt ist der Kaffee aus Rungeto Karimikui sehr vielschichtig und verändert sich über die Temperatur, bei der er getrunken wird noch. All das macht den Kaffee zu einem wunderbaren und interessanten Geschmackserlebnis. Der Kaffee aus Kabare Karani hingegen ist weniger spritzig, hat dafür aber eine sehr hohe natürliche Süße, die uns an eine reife Frucht, wie an eine saftige Nektarine erinnert. Zusätzlich ist der Kaffee sehr blumig und ähnelt beim Geruch einer Zitrusblüte. Im Nachgeschmack bleibt der Kaffee angenehm würzig zurück.

Die Rungeto Kooperative

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